Neugestaltung einer Fassade eines bereits entworfenen Gebäudeensembles

BRIEFING

Ein bereits entworfenes Doppel-Gebäude soll mit einem Hochhausteil erweitert werden. Dabei sollen die Gebäude durch ihre Fassadengestaltung ein geschlossenes Ensemble bilden. Dies verändert die bisherige Aufgabenstellung einschneidend. Jetzt ist das Hochhaus der definierende Faktor für die Gesamtwirkung, der zudem auch die ästhetische Fernwirkung prägt. Mit dem 18-stöckigen Hochhausteil bekommt die Optik der Europa-Allee einen neuen zentralen Haltepunkt.

Problem: Bei einem durchschnittlich hohen Gebäude können abwechslungsreiche Fensterformate sinnvoll für ein lebendiges Stadtbild sein. Bei einem Hochhaus geht das nicht, weil infolge der insgesamt geänderten Körperproportionen Eindrücke von Instabilität und Inkongruenz entstehen würden, welche zudem auch die Wertanmutung des Ensembles beeinträchtigten.

Hochhaus_stringentes-Raster_Aufwertung

LÖSUNG

Grundlage unserer Lösung ist ein komplett stringentes Bürohausraster. Nach geringer Anpassung der Sockelgebäude an die Grundlinien des Hochhauses ist allseitig ein Ausbauraster von 1,35 m realisierbar.

Für die Fenster schlagen wir eine Reminiszenz an die Hochhäuser Chicagos vor. Sie bestehen aus einem mittleren bodentiefen Fenster, das sich nicht öffnen lässt, sowie zwei Seitenfenstern mit hoch angesetzten Fensterflügeln, die sich gefahrlos öffnen lassen. So ist auch bei zwei Achsräumen die Lüftung über das Öffnen der Fenster möglich.

Weitere Details für die Steigerung der Wertanmutung sind der Eingangsbereich, die Gestaltung der Hausecken sowie die Fassadengestaltung in den oberen Etagen des Hochhauses.

  • Die Ecken der Gebäude sind vertikal plastisch gestaltet, sodass sie den Eindruck von Säulen vermitteln und der Fassade eine attraktive Haptik verleihen.
  • Die optiwsche Hervorhebung des Eingangsbereichs lässt das Ensemble bedeutender und großzügiger erscheinen als zuvor. Dies wird durch die Umrahmung der umliegenden Räume mit Prallscheiben erreicht. Damit bekommt auch das Verhältnis zwischen Eingang und Gebäudehöhe seine Stimmigkeit.
  • Eine weitere Steigerung der Wertanmutung erzielt die Fassade durch die bewegte "Krone" des Hochhausteils. Die wellenförmigen Horizontalelemente beleben das Gesicht des Ensembles und werten es auf. Die nach oben vertikal herauswachsenden Metallelemente erinnern an Schienen.

Weitere Anpassungen gegenüber dem bisherigen Entwurf betreffen einige Farbakzente, mit den die Geschlossenheit und Wertigkeit des Ensembles unterstützt werden. Dies betrifft Auswahl der Steine, die Farben von Markisen und Fensterrahmen, zusätzliche Bronzeelemente sowie die Farbigkeit des Staffelgeschosses, das unbedingt in die Gesamtgestaltung eingefügt werden sollte.

Fazit: Mehr Prägnanz und höhere Wertausstrahlung

Die Entscheidung für die vertikale Erweiterung mit einem Hochhaus ist eine Chance, das Ensemble insgesamt aufzuwerten und dem Standort einen markanten Stadtbaustein hinzuzufügen. Entscheidend dafür ist die stringente Rasterung sowie insgesamt mehr Haptik und mehr ästhetische Geschlossenheit. All dies lässt sich erreichen, ohne dass im Inneren neu geplant werden müsste. Auch der wichtige Eingangsbereich steigt in eine höhere Klasse auf, ohne dass an der Geschosseinteilung etwas geändert werden müsste.

(Wettbewerb Dezember 2017, nicht prämiert.)