Wettbewerb "Tower 90", Europaviertel Frankfurt/M.

BRIEFING

Auf einem 13.700 qm großen Grundstück am Eingang zum Europaviertel in Frankfurt/Main soll neben anderen Gebäuden ein 90 Meter hohes Wohnhochhaus mit 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen realisiert werden (Realisierungsteil). Zudem ist ein Entwurf für eine dazu passende Blockrand-Lösung gefordert, mit der weiterer Wohnraum geschaffen werden soll (Ideenteil).

Die Aufgabe ist aus verschiedenen Gründen komplex. Durch die hervorgehobene Lage in einem anspruchsvollen Umfeld wird erwartet, dass die Gebäude zum „internationalen Standort“ beitragen. Dies ist als Verpflichtung auf hohe bauliche Qualität zu verstehen, die auch markant nach außen sichtbar sein soll. Überdies soll das hochwertige Appartement-Hochhaus mit seinem „imageprägenden Erscheinungsbild“ so mit den sozial gebundenen Sockelgebäuden korrespondieren, dass eine gemeinsame städtische Vielfalt entsteht. So ist die Aufgabe von diversen wirtschaftlichen, städtebaulichen und ästhetischen Vorgaben geprägt.

LÖSUNG

Tektonik Architekten Frankfurt Tower 90 Europaviertel

Unsere Antwort setzt die Blockrandgebäude direkt als geschwungene Flügel an das Hochhaus an - elegant-urbane Wohngebäude, die mit dem Realisierungsteil eine geschlossene Einheit bilden, statt sich in verschiedene „Welten“ zu separieren. Zudem entsteht vor dem Hochhaus ein trapezförmiger, begrünter Vorplatz, der das das Entrée zum gesamten Ensemble aufwertet.

Zudem bilden die seitlichen Gebäude zusammen mit dem Hochhaus eine grüne Gestaltungseinheit, die zum Platz hin in Höhe und Breite wirkt (eine Reminiszenz z.B. an das Wrigley-Gebäude in Chicago). Hochwertiges Wohnen im Hochhaus und städtisch geförderter Wohnungsbau – diese sonst getrennten Wohnstile sind durch diesen für Frankfurt neuartigen Bautyp auf einem gemeinsamen hohen Niveau vereint.

Wichtig für den metropolitanen Eindruck ist der durchlaufende Sockel mit Läden und  Restaurants. Er erhält optisch die Höhe von zwei Geschossen, indem die Glasbrüstung der Loggien im 1. Obergeschoss den Ladengeschäften zugehörig erscheint.

Auch oberhalb davon ergeben die Fassaden von Hochhaus und Blockrandgebäuden optisch eine Einheit. Bis zum 6. Geschoss des Blockrands erhalten die Wohnungen begrünte Loggien, während die Loggien des Hochhauses formal sehr ähnlich ausgebildet sind. Ab dem 6. Geschoss wächst dann das Hochhaus als eine begrünte Balkonlandschaft in die Höhe, optisch faszinierend durch eine fast kinetisch wirkende Fassadengeometrie. Die elegante Leichtigkeit der Balkone sowie die durchlaufende Begrünung widerlegen dabei das Unbehagen gegen Wohnhochbauten („Wohnsilo“ durch eintönige Rasterung), indem die Balkonplateaus in Wellen vor und zurückfließen. Dabei ergeben sich begrünte Außenräume, die an den jeweils breitesten Stellen die Höhe von zwei Geschossen haben und bei jedem Wetter benutzbar sind.

Der Gesamteindruck der Fassadensprache entspricht einem ökologisch bewussten Lebensgefühl und besitzt hohes ikonographisches Potenzial. Dabei kommuniziert das Gebäude einen legeren „Lifestyle“ und Werte wie städtisches Leben, Natur, Optimismus, Offenheit und Gemeinschaftlichkeit.

Die ans Hochhaus anschließenden Blockrandgebäude sind wirtschaftlich und architektonisch eigenständige Einheiten, die sich mit dem Hochhaus lediglich die Tiefgarage teilen. Die Wohnungen entwickeln sich um die zentralen Treppenhauskerne. Die ökologisch geplanten Wohnungen bieten zu günstigen Baukosten zeitgemäß attraktive Wohnflächen mit viel Licht und  hochwertigen Loggien. Was das Ensemble insgesamt verspricht, wird so für die Bewohner auch innen erlebbar.

Fazit: Ein Wohnhochhaus für Frankfurt und für das 21. Jahrhundert

Der Entwurf setzt nach außen auf eine hohe Eigenständigkeit, die die Architektur Frankfurts um ein Gebäude mit ikonographischem Potenzial bereichern würde und gleichzeitig für den hoch verdichteten Wohnungsbau im 21. Jahrhundert wegweisend sein kann.

Der Entwurf setzt gleichzeitig höchste Anforderungen an Energieeffizienz, Bauökologie, Flexibilität und individueller Wohnqualität um – mit einem großen Plus an moderner Urbanität und ästhetischer Ausdruckskraft, das heutige „Lifestyle“-Werte außen und innen erlebbar macht. Durch die ästhetische Integration von Eigentumswohnungen im Tower mit den angrenzenden geförderten Mietwohnungen wird städtische Gemeinschaftlichkeit und Vielfalt so umgesetzt, dass mehr Wert und Lebensqualität für alle entsteht und das Ensemble eine städtische Gemeinschaft zusammen mit seinem gesamten Umfeld bildet.